Page 3 - Demo
P. 3


                                    Stadtgespr%u00e4ch Bad Iburg | 3machte. Unweit der Zeche Hilter steht ein schlichter Gedenkstein im Wald %u2013 und der hat eine Geschichte, die sich liest wie ein Krimi aus der Nachkriegszeit. Am 7. August 1919 kehrte Hermann Kerkau, staatlicher Revierf%u00f6rster und Hegemeister zu Hankenberge, nicht nach Hause zur%u00fcck. Freunde und Nachbarn suchten ihn noch in der Nacht. Ohne Erfolg. Am n%u00e4chsten Morgen fand man ihn: erschlagen. Hut, Dienstgewehr und Notizbuch fehlten. Die Inschrift am Gedenkstein ist kurz und n%u00fcchtern: %u201eHier fiel am 07. August 1919 durch M%u00f6rderhand Hermann Kerkau, staatlicher Hegemeister zu Hankenberge.%u201c Kerkaus Frau hatte schon vor der Suche einen klaren Verdacht: %u201eWenn meinem Mann etwas Schlimmes zugesto%u00dfen ist, dann war es der Tischler.%u201c Ein Satz, der sitzt und der sich als treffsicher herausstellen sollte. Ganz in der N%u00e4he des Leichnams war frisch eine Eiche gef%u00e4llt worden. Die Ermittler stellten fest, dass der Stamm zers%u00e4gt und abtransportiert worden war; zu einer S%u00e4gem%u00fchle, wo daraus Wagennarben gedrechselt wurden. Der entscheidende Kniff: Jahresringe eines Baumes sind so einzigartig wie ein Fingerabdruck. Die Wagennarben wurden zweifelsfrei der gestohlenen Eiche zugeordnet. Im Wohnhaus des Tischlers fanden sich au%u00dferdem versteckte Stammst%u00fccke und eine Axt, deren Schneide exakt zu den Spuren am Tatort passte. Der Tischler wurde verhaftet. Zum zweiten Verh%u00f6r kam es nicht mehr: Man fand ihn tot in seiner Zelle. F%u00fcr viele Zeitgenossen war das Schuldeingest%u00e4ndnis genug %u2013 zumal Kerkau und der Verd%u00e4chtige schon l%u00e4nger auf Kriegsfu%u00df standen. Dass Kerkau erschlagen und nicht erschossen wurde, passt ebenfalls ins Bild: Wilddiebe, denen er damals h%u00e4ufig begegnete, h%u00e4tten eher zur Waffe gegriffen. Und doch: Hut, Gewehr und Notizbuch tauchten nie auf. Die Akte blieb offen. %u201eNiemand wei%u00df heute, wie es tats%u00e4chlich vor 107 Jahren war%u201c, sagte Hubert Waldhaus - kundiger Berichterstatter der Wanderung - vor dem Stein. Die Gruppe schwieg einen Moment %u2013 was angesichts der Geschichte vollkommen verst%u00e4ndlich ist.Weitere Stationen: Dreil%u00e4ndereck und Zeppelinstein Weiter ging es zur Zeche Hilter, vorbei am Karlsstollen, der heute komplett zugewachsen und kaum noch zu sehen ist. Ein weiterer Zeuge der Industriegeschichte des Osnabr%u00fccker Landes. Das Dreil%u00e4ndereck jedoch existiert nicht mehr. Der Platz am Schlochter Bach mit seiner %u00fcber 350 Jahre alten Eiche ist verschwunden, die B%u00e4nke sind weg. Waldhaus fand daf%u00fcr deutliche Worte: %u201eSchade, dass keiner mehr, was hunderte von Jahren selbstverst%u00e4ndlich war, Wanderern und Freunden der Sch%u00f6pfung die Gelegenheit gibt, sich auf B%u00e4nken niederzulassen. Schade, einfach schade und nicht zu verstehen.%u201c Ein Appell, den die Landesforsten ruhig zur Kenntnis nehmen d%u00fcrfen. Am Zeppelinstein noch 3,5 Kilometer vom Ziel eine letzte Pause, erste Gedanken an k%u00fchles Bier und Kaffee. Dann Zieleinlauf am Gasthof zum Freden. Gut gelaunt, etwas m%u00fcde, aber definitiv kl%u00fcger als vorher. %u201eEs war ein wirklich sch%u00f6ner Tag. Daf%u00fcr herzlichen Dank%u201c, schloss Waldhaus seinen Bericht. 25 Menschen werden das unterschreiben. oDie 25 Teilnehmer erlebten eine spannende Wanderung durch den Teutoburger Wald mit Wanderf%u00fchrer Hubert Waldhaus (rechts).Fotos : Heimatverein Bad Iburg
                                
   1   2   3   4   5   6   7   8   9   10